Die Milchbar – Erfindung einer Rock n‘ Roll Instution

Für viele Jugendliche in den 50er Jahren war die Milchbar ein kleines Stück verheißungsvolles Amerika mitten im biederen Nachkriegsdeutschland. Oftmals eingerichtet im Stil amerikanischer Diner und mit der obligatorischen Jukebox ausgestattet stellte sie einen Ort dar, an dem man sich unbeaufsichtigt von Eltern und Lehrern mit Gleichaltrigen treffen, Rock’n’Roll hören und sogar tanzen konnte. Für die Gegner von Jeans, Tolle und Bill Haley waren Milchbars ein schlagender Beweis für die schädlichen Auswirkungen der Amerikanisierung. Die wenigsten wissen bis heute, dass es sich dabei gar nicht um eine amerikanische Erfindung handelt.

Zentralbild Sturm 21.3.1962 „Milch-Mixer“ Berlin Schönhauser Alle – beliebt bei groß und klein. Ob bei einen Einkaufsbummel, nach der Arbeit oder beim Sonntagsspaziergang – im „Milch-Mixer“ Schönhauser Allee kehrt der Berliner gern ein, um sich zu erfrischen. Etwa 20 Milchgetränke – darunter Flips, Eisbecher mit Früchten und Torte mit Kaffee gehören zum Angebot. 1000 Besucher täglich sind keine Seltenheit, und im Sommer steigt diese Zahl auf das Doppelte. UBz: Vor dem „Milch-Mixer“ Schönhauser Allee.

Auch wenn das Konzept der Milchbar zu dieser Zeit in Amerika unbekannt war, war Adams die zündende Idee dazu während einer USA-Reise gekommen. Dort waren zu dieser Zeit „Soda Drugstore Parlors“ verbreitet, in denen Gäste – anders als in herkömmlichen Restaurants – im Stehen oder auf Barhockern eine Kleinigkeit zu sich nehmen konnten. Milchshakes gab es in diesen Lokalitäten ebenfalls, sie waren aber nur ein Teil des Angebots. Das Wort „Bar“ war dagegen in Amerika untrennbar verknüpft mit alkoholischen Getränken.

Wo wurde gefeiert ?

Die Leute feierten in den 50er Jahren wieder gerne. Nach den Entbehrungen der frühen und auch späteren Nachkriegszeit ging es vielen wieder besser. Es gab immer wieder einen Anlass zum Feiern. Für viele Hausfrauen war das ein anstrengender Job, wenn sich die Familie zu Geburtstagen, zu Ostern und Weihnachten, zur Taufe, Kommunion oder Konfirmation traf. Meist war es aber zu teuer, ins Restaurant zu gehen und so feierte man eben zu Hause. Für Jugendliche war das auch schon in den 50er Jahren ziemlich langweilig. Doch wo sollte man hin? Diskotheken gab es ja noch lange nicht.

 

Wo traf man sich als Jugendlicher in den 50er Jahren ?

 

In den 50er Jahren verbreitete sich eine Einrichtung, die zum Treffpunkt für viele Jugendliche wurde: die Milchbar. Erinnert der Begriff doch an so etwas wie „Cocktailbar“, die die Jugendlichen aber noch gar nicht besuchen durften. Das Ausschenken von Alkohol war nämlich erst an Erwachsene ab 21 Jahren erlaubt. So wurde der Begriff „Milchbar“ eingeführt, das klang natürlich schicker und ließ viele dort von der großen, weiten Welt träumen. Und hier gab es leckere Milch in allen möglichen Varianten zu trinken.

Treffpunkt für Jugendliche

Direkt nach dem Krieg gab es noch wenig Milch und erst in den 50er Jahren war die Milch keine Mangelware mehr. Wieder einmal ahmte man eine Idee, die in den Vereinigten Staaten entstanden war, nach. So trafen sich Jugendliche, aber auch Erwachsene, am Abend gerne mal auf ein Gläschen Milch in einer Milchbar. So wurde die Milchbar für viele ein willkommener Treffpunkt mit Gleichaltrigen.

Was ist ein Milchpilz ?

Eine Besonderheit der 50er Jahre waren die so genannten Milchpilze. Was nun genau die Milch mit einem Fliegenpilz zu tun hatte, weiß man nicht so genau, aber diese Milchpilze schossen eben wie Pilze aus dem Boden. Dieses Gebilde war eigentlich nichts anderes als ein Kiosk, in dem Milch und Eis und auch Backwaren angeboten wurden. Sie sahen auf jede Fall ziemlich lustig aus.

Die Tanzstunde

Am Wochenende traf man sich dann auch gerne mal zum Tanz. Sehr beliebt war auch die Tanzstunde noch in den 50er und 60er Jahren. Hier konnten sich Jungen und Mädchen, oder besser junge Frauen und junge Männer, unter Aufsicht treffen. So mancher hat dann auch seine erste Tanzstundenliebe geheiratet. Sehr viele Möglichkeiten, sich kennen zu lernen und vor allem auch einmal näher zu kommen, gab es sonst in den 50er Jahren noch nicht. Heute findest du das wahrscheinlich ziemlich komisch. Wobei Tanzen und Tanzstunden mit ganz klassischen Tänzen ja inzwischen wieder ziemlich beliebt sind.

Danach konnte man sich dann wieder in der Milchbar zu einem Milchshake treffen.